Bayerische Spitzenverbände an einem Tisch

Der 7. Februar 2004 war ein historischer und denkwürdiger Tag für die Gehörlosenbewegung in Bayern. Zum 1.Mal kamen auf Einladung des Landesvorsitzenden Rudolf Gast die Vertreter der bayerischen Spitzenverbände der Gehörlosen in Nürnberg zusammen. Im Gehörlosenzentrum, Pommernstrasse 1 waren am runden Tisch versammelt:

- Bayerischer Gehörlosen-Sportverband e.V., Josef Scheitle, Birgit Hermann-Payer und Marina Kleefuß
- Bayerische Gesellschaft zur Förderung Gehörloser und Schwerhöriger e.V.,
Ute Fröhlich, Dr. Reinhold Schwörer und Cornelia von Pappenheim
- Landesarbeitsgemeinschaft der Gebärdensprachkursleiter/ innen Bayern e.V., Melanie Spillner und Gertrud Mally
- Landesarbeitsgemeinschaft Hörbehinderter Studenten und Absolventen Bayern e.V. Ute Fröhlich und Dr. Reinhold Schwörer
- Gehörlosenverband München und Umland e.V., Josef Willmerdinger und Rudi Sailer
- Stadtverband der Gehörlosen Nürnberg e.V., Christa Ritzrau, Rupert Kuglmeier und Jutta Löhnert
- Bezirksverband der Hörgeschädigten Oberbayern e.V., Sigrid Gast und Michael König
- Bezirksverband der Gehörlosen Niederbayern e.V., Anita Prokesch und Alfons Stern
- Bezirksverband der Gehörlosen Oberpfalz e.V., Hans Zapf und Heinz Kurzendorfer
- Bezirksverband der Gehörlosen Oberfranken e.V., Eginhard Schulz
- Bezirksverband der Gehörlosen Mittelfranken e.V., Hans-Wolfram Kleefeld und Farhad Parvisi
- Bezirksverband der Gehörlosen Unterfranken e.V., Robert Koch
- Landesverband Bayern der Gehörlosen e.V., Rudolf Gast, Helmut Rühr, Gerhard Jandy, Gerhard Ehrenreich, Carmen Geyer, Simone Geyer, Klaus Roser und Anita Kleinlein.

Ein hoffnungsvoller Tag soll es werden, sagte Rudolf Gast bei der Begrüßung und freute sich sehr dass alle gekommen waren. Das Treffen der Spitzenverbände war erforderlich geworden, damit künftig alle an einem Strang in eine Richtung ziehen. Rudolf Gast bedauerte, dass es in der Vergangenheit hinsichtlich der gesetzlichen Anerkennung der Deutschen Gebärdensprache (DGS) unter den Befürwortern und Gegnern zu Spannungen und Streitigkeiten und damit zur Spaltung der Gehörlosen-Gemeinschaften gekommen war. Nachdem nun die Deutsche Gebärdensprache und andere Kommunikationshilfen im Bundessozialgesetzbuch und im Bayerischen Behinderten-Gleichstellungsgesetz fest verankert sind, sei nun der Zeitpunkt gekommen, sich zu versöhnen und Gemeinsamkeiten bei verschiedenen Themen zu finden.

 
Von links, obere Reihe (zweifach): Robert Koch, Rudi Sailer, Dr.Reinhold Schwörer, Josef Willmerdinger, Helmut Rühr, Gerhard Ehrenreich, Heinz Kurzendorfer, Anita Prokesch, HansZapf, Gerhard Wolf, Walter Nielazne, Carmen Geyer, Michael König, Simone Geyer, Josef Scheitle, Helmut Berghofer, Hans-Wolfram Kleefeld, Farhad Parvisi(halb verdeckt)
Mittlere Reihe: Ute Fröhlich, Cornelia von Pappenheim, Rudolf Gast, Melanie Spillner, Christa Ritzrau, Klaus Roser, Rupert Kuglmeier, Alfons Stern
Untere Reihe: Gerhard Jandy, Eginhard Schulz, Sigrid Gast, Jutta Löhnert, Birgit Hermann-Payer, Marina Kleefuß, Gertrud Mally

Folgende Punkte standen an: Einbeziehung aller Verbände an den künftigen Entwicklungsprozessen, Gemeinsame Abstimmung in Sachfragen, Gemeinsame Interessenvertretung gegenüber dem GIB und ein besseres Miteinander sowie Einsatz von kompetenten Gehörlosen, von welchen Verband sie auch immer sind.

Ein breites Spektrum nahm das Thema GIB (Gehörlosen Institut Bayern) ein. Die Verbände wollen beim GIB künftig mit "einer Stimme" auftreten und wünschen sich ein stärkeres Engagement der Gehörlosen. Dazu sollte im GIB-Vorstand eine weitere Gehörlose vertreten werden. Man hatte den Eindruck, das GIB würde mehr die Interessen der Dolmetscher berücksichtigen, statt die der Gehörlosen. Gertrud Mally von der LAG der Gebärdensprachkursleiter/innen Bayern, wünscht sich mehr Gehör bzw. Unterstützung durch das GIB. Im April 2004 sei die Mitgliederversammlung des GIB und die Gehörlosenverbände wollen schon im Vorfeld eine Einigung über ihr Anliegen erzielen. Die Arbeit des GIB sollte unterstützt werden, jedoch sollte deren Satzung so geändert werden, dass die Interessen der Gehörlosen mehr berücksichtigt werden.
Mit großem Interesse begrüßten die Teilnehmer die Einführung der Kommunikationsassistenten als
2.Säule neben den Gebärdensprachdolmetschern. Vorausgegangen waren erfolglose Vermittlungen nach Gebärdensprachdolmetschern, vor allem in ländlichen Gebieten.
Die in München ansässigen Verbände der Gehörlosen unter Ute Fröhlich werden eine genaue Definition der Kommunikations-Assistenz ausarbeiten und der Öffentlichkeit vorstellen.

Anhand der Overhead-Projektion zeigte Rudi Sailer den Unterschied zwischen Dolmetscher - Kommunikationsassistenten und Kommunikationshelfer. Die Einführung der Kommunikationsassistenten ist eine beschlossene Sache und wird forciert.
Josef Scheitle vom BGS griff das Thema Dolmetscher-Praktikanten auf. Er erzählte von seiner Anfrage
an das GIB, Dolmetscher-Praktikanten bei den kommenden Wintersport-Europameisterschaften in Füssen und Pfronten als Dolmetscher einzusetzen. Statt Unterstützung erhielt er vom GIB eine Abfuhr.

Das neu geschaffene Bayerische Behindertengleichstellungsgesetz schreibt die Errichtung eines Landesbehindertenrates vor. Er steht unter dem Vorsitz der Sozialministerin, die diesen vier Mal im
Jahr einberuft. Den Behindertenverbänden werden neun Sitze eingeräumt. Man war sich einig, dass ein/e Gehörlose/r im Landesbehindertenrat vertreten sein muss und einen gemeinsamen Kandidaten aus den Spitzenverbänden vorgeschlagen sollte.

Ein weiteres Thema behandelte die Sendungen mit Untertitel im Bayerischen Fernsehen. Rudolf Gast berichtete über die jahrelangen, erfolglosen Bemühungen des Landesverbandes beim Bayerischen Fernsehen und bei den Politikern. Der Wunsch der Gehörlosen nach Untertitelung der "Rundschau" und "Abendschau" im 3.Programm stößt immer noch auf Ablehnung der Verantwortlichen im Bayerischen Rundfunk. Ute Fröhlich schlug die Bildung einer Arbeitsgemeinschaft vor, die sich mit der Zielvereinbarung "Untertitel" befassen sollte. Laut Rudi Sailer sitzen die Gehörlosen trotz Behindertengleichstellungsgesetz immer noch "in der letzten Reihe". Beim Landestreffen im Juni in Bayreuth sollte die Öffentlichkeit mit diesem Spruch konfrontiert werden. Rupert Kuglmaier (Stadtverband Nürnberg) erwähnte das Programm BR alpha, das zwar ein langweiliger Sender ist, aber für Gehörlose trotzdem von Nutzen sein kann.

Gerhard Ehrenreich berichtet von seiner Arbeit "Afrika-Hilfe" für gehörlose Kinder der Schule Masaka in Uganda. Die in Deutschland gesammelten Spenden fließen der Erweiterung und Investitionen der Schule zu. Zum diesjährigen Landestreffen in Bayreuth werden 4 - 5 Kinder und 2 Betreuerinnen (Direktorin und Dolmetscherin) eingeladen. Ehrenreich bat alle Verbände, diesen Besuch finanziell zu unterstützen.

Als letztes Thema brachte Rudi Sailer die Namensänderung der bayerischen Schulen für Gehörlose ein, die am 01. August 2003 in Kraft getreten ist. Die neue Bezeichnung "Bayerische Landesschule Förderzentrum - Förderschwerpunkt Hören" wurde von allen Teilnehmern heftig kritisiert und rundweg abgelehnt. Rudi Sailer schlug stattdessen den Namen einer berühmten Persönlichkeit der Gehörlosen-Schule vor.

Zum Schluss der Versammlung lud Helmut Rühr, LV Bayern, alle zum 5.Landestreffen nach Bayreuth ein, das vom 09. bis 13. Juni stattfindet.

Rudolf Gast bedankte sich bei allen für den guten und sachlichen Verlauf und war über das neue Miteinander sehr erfreut. Alle waren sich einig, dass das Treffen öfters stattfinden sollte, um sich gegenseitig zu informieren und zu helfen. Es sollte immer in Nürnberg (Rudi Sailer) stattfinden.
Am Ende der Versammlung blieben einzelne Verbandsvertreter noch lange zu persönlichen Gesprächen und zum Kennen lernen zusammen.

Fazit des Spitzengesprächs: Der Tag des Spitzengesprächs ist ein wichtiger Meilenstein in der Geschichte der Gehörlosen-Bewegung Bayerns (Gerhard Wolf) geworden und eröffnete neue Dimension.

Bericht von Sigrid Gast und Gerhard Jandy

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